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Initiative "Apfelbaum braucht Wurzelraum"
 

„Apfelbaum braucht Wurzelraum"

 

„Wer sich wehrt, kann verlieren. Wer sich nicht wehrt, hat schon verloren." Dieses Motto hätte am Anfang unserer Initiativarbeit stehen können, als wir uns Ende November 1998 in der Gaststätte Roth in Ottensen zum ersten Mal getroffen haben. Über Aushänge informiert, waren fast 40 Kleingärtner und einige Anwohner gekommen, um ihre Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Auslöser war der Vorschlag der Othmarscher Bürgerinitiative „Ohne Dach ist Krach", durch den Verkauf und die Bebauung unserer Gärten einen Lärmschutzdeckel über die A7 zu finanzieren. Zur Entschädigung sollten wir mit unseren Gärten auf den Deckel „umziehen" und dort schrebern. Im Klartext bedeutete das allerdings: Mehr Ruhe und eine beträchtliche Wertsteigerung der Grundstücke für die Autobahnanwohner in Othmarschen.Auf der anderen Seite den Verlust der grünen Heimat für die Kleingärtner aus Ottensen. Viele Kleingärtner haben diesen Plan zunächst nicht ernst genommen. Doch konkret wurde die Bedrohung, als bekannt wurde, dass ein Markterkundungsverfahren für den geplanten Autobahndeckel ausgeschrieben werden sollte und alle politischen Parteien in Hamburg von dieser Idee offensichtlich ganz begeistert waren. Da schien es uns doch an der Zeit zu sein, zu zeigen, dass wir auch noch da sind und ein Wörtchen mitzureden haben.

So begann das Jahr 1999 mit vielen Aktivitäten. Zuerst ging es darum, die Bürger in Ottensen zu informieren. Unsere Infostände, bei Wind und Wetter auf dem Spritzenplatz, stießen auf reges Interesse. „Das finde ich aber schade, wenn die Gärten wegkommen, da gehe ich immer spazieren." „Wo kann ich unterschreiben?" So die Kommentare der Ottenser Bürger, die gleich begriffen haben, dass es hier nicht nur um die Interessen der Kleingärtner, sondern auch um Grünflächen für den Stadtteil geht. Dieser Zuspruch hat uns sehr ermutigt.

Bei Wind und Wetter im Einsatz: Unser erster Infostand im Januar 1999 auf dem Spritzenplatz
Besuch von Olaf Scholz auf unserem Gartenfest 1999

Es folgten viele Besuche bei den Parteien, die mit unserem Protest nicht gerechnet hatten. Verständnis, wenn auch wenig Unterstützung, fanden wir meistens bei den Ortspolitikern, denen erst jetzt der Interessenkonflikt richtig bewusst wurde. Ausweichend bis desinteressiert reagierten allerdings die höheren Parteifunktionäre.

Doch unser Protest schien sich herumgesprochen zu haben. Ein Vortrag über Dachbegrünungen im Altonaer Museum wurde uns angeboten. Wie sich erst hinterher herausstellte, war der Referent von der Deckelinitiative engagiert und bezahlt worden. Über 3000 Mark hatte sie es sich kosten lassen, uns das Schrebern auf dem Deckel schmackhaft zu machen. Doch der Referent kam gar nicht erst zu Worte. Wir waren zu viele und hatten zu viele Fragen an die Vertreter der ebenfalls anwesenden Umwelt- und Baubehörde. Dachbegrünungen und ob dort Äpfel wachsen würden, interessierten uns nicht. Wir wollten und wollen unsere Gärten dort behalten, wo sie seit 90 Jahren sind.

Gesprochen haben wir auch mit den damaligen Senatoren Porschke, Maier und Wagner, die uns wohlwollend empfangen haben, aber die politische Linie war schon festgelegt. Lediglich den kleinen Zusatz, dass auch andere, kostengünstigere Konstruktionen für den Deckel von den Investoren vorgeschlagen werden könnten, haben wir in der Ausschreibung des Markterkundungsverfahrens unterbringen können. Zur Ausschreibung kam es dann Anfang 2000. Danach hörte man nichts mehr davon. Nur allmählich sickerte durch, dass die Idee wohl doch nicht so tragfähig war. Es wurde kein realisierbares Angebot abgegeben. Auch aus dem Verkauf unserer Gärten ließ sich der Deckel nicht finanzieren.

Der Kontakt mit Parteien und Politikern ist aber nur die eine Seite unserer Arbeit. Genauso wichtig war uns von Anfang an die Information der Anwohner und der Ottenser Bürger. Im Juni 1999 haben wir am Othmarscher Mühlenweg unser erstes Gartenfest gefeiert und uns sehr gefreut, dass so viele Anwohner und Unterstützer aus Ottensen gekommen waren. Auch in den folgenden Jahren waren unsere Feste, 

 

Vor den Wahlen sind Politiker immer am gesprächsbereitesten. Hier Ole von Beust, noch als Oppositionsführer an unserem Infostand auf der Altonale
Die Apfelsaftpresse ist auf der Altonale immer dabei

ob als „Tag des Gartens" im Juni oder als Erntedankfest im Herbst, immer gut besucht. Auch auf der Altonale waren wir im September 1999 mit unserem Infostand und der inzwischen schon legendären Apfelsaftpresse vertreten. Vor den Wahlen ließen sich sogar einige Politiker hier blicken. Heute sind wir eine feste Institution der Altonale und auf den anschließenden Pressefotos fast immer präsent.

Eine weitere Aktivität war die Plakataktion rund um die Gärten, die die Bevölkerung darauf aufmerksam machen soll, welch unschätzbaren Verlust für die Natur eine Bebauung des Geländes bedeuten würde.

 

Plakataktion im Sommer 2003

 

Wir wünschen allen Anliegern von lauten Straßen mehr Ruhe. Dem Stadtteil Ottensen, allen Anliegern und auch uns selbst aber wünschen wir, dass diese grünen Oase in der immer dichter werdenden Stadt noch lange erhalten bleibt.
Parallel zu den Aktivitäten von „Apfelbaum braucht Wurzelraum" wurden auch Veränderungen im Verein eingeleitet. Ein zweiter Platz im Hamburger Wettbewerb „Die bürgernahe und naturnahe Kleingartenanlage", 2001 organisiert von der Umweltbehörde, und 2002 eine Silbermedaille im Bundeswettbewerb des Bundesbauministeriums, sind auch eine Anerkennung unserer Arbeit. Lobend erwähnt wurden ausdrücklich die Aktivitäten der Bürgerinitiative. Dass uns auch die Bevölkerung im Stadtteil breit unterstützt, zeigen die rund 5500 Unterschriften, die wir bisher für den Erhalt unserer Gärten gesammelt haben.

Nach jeder Wahl wurden die alten Ideen zur Finanzierung eines Autobahndeckels durch Verkauf unserer Kleingärten wieder neu hervor geholt. Und immer wieder müssen wir einer neuen Generation von Politikern erklären, dass man Kleingärten nicht einfach "verlagern" kann.

Eigentlich wollen wir Kleingärtner nur in Ruhe unser Grün beackern und genießen - und unsere Gärten auch gern für Spaziergänger öffnen. Die Begehrlichkeiten der Politiker und Baulöwen zwingt uns aber wieder und wieder, uns politisch zu engagieren.

Unterstützen Sie uns dabei!